Das ist so nah am Leben

Hund

Als ich heute morgen wieder mit unserem Hund laufen war, ging ein Mann auch mit Hund an uns vorbei. Wieder jemand, der ‚mit sich selbst sprach’. Mittlerweile finde ich das gar nicht mehr befremdlich, wenn Menschen auf den ersten Blick mit sich selbst laut diskutieren. Noch vor zwei Jahren war mein spontaner Gedanke: Oh, soll ich helfen oder kommt dieser Mensch mit seinen vielen Persönlichkeiten, die wohl gerade miteinander kämpfen, ganz gut zurecht. Nein, ich habe mich inzwischen an dieses Telefonieren ohne sichtbares Handy am Ohr gewöhnt. Zurück zum Mann heute morgen im Park beim Laufen: er telefonierte relativ laut und sagte: „Also gestern habe ich diese Serie mit Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann gesehen, kennste die? Das ist echt so nah am Leben! Das ist kaum zu glauben, total echt! Da kommt dir so Vieles bekannt vor!“ und lachte dabei. Dann waren mein Hund und ich schon wieder außer Zu-Hörweite.

Offensichtlich ist das Positive an dieser Serie, dass sie „nah dran ist am Leben“. Aber was heißt das und warum finden wir das gut?

Wir finden uns wieder – vielleicht sogar im doppelten Sinne. Losgelöst von dieser Serie, die ich übrigens selbst noch nicht gesehen habe, ist bei einer Geschichte, die gut erzählt ist und Alltagsbezug hat, ein Abgleich für uns möglich. Dieser Abgleich findet ständig statt und läuft von selbst. Wir finden Situationen, Dinge, Geschehnisse, ähnliche Typen, die wir bereits kennen oder erlebt haben in Büchern, Filmen, Bildern wieder. Das gibt uns auch ein Stück Sicherheit: Ja, genauso! Das kenne ich auch! Ich weiß genau, wie der/die sich jetzt fühlt… Weil wir es so oder so ähnlich bereits erlebt haben, fühlen wir uns dem nah. Wir wissen wie das ist und drei Gefühle stellen sich ein: Sicherheit, Offenheit, Verständnis. Wenn das Bild, die Geschichte im Buch oder Film echt auf uns wirkt, können wir uns gut darauf einlassen. Dabei muss das, was wir da gerade sehen oder lesen nicht immer nur schön sein. Ganz sicher nicht. Aber gehen Sie jetzt mal von Bildern oder Geschichten aus, die sie schmunzeln lassen – wie den Mann im Park. Wir haben die Möglichkeit zum ganz persönlichen Abgleich. Es geht also über das „ja, genau, das kenne ich auch“ hinaus. Es erleichtert uns auch ein Stück, ein Schmunzeln oder sogar ein kurzes Lachen. Anderen Menschen geht es also auch so – ich stehe mit meinen Erlebnissen, meinen Gefühlen und meiner Sicht auf Dinge nicht allein da. Ein gutes Gefühl nicht allein zu sein!

Achten Sie doch beim nächsten Buch, Bild oder Film darauf: wir können uns auf unsere Erfahrungen verlassen, wir sind nicht allein damit und es ist manchmal erleichternd das festzustellen.